Barbara Kröger leitet das Regionalbüro von Arbeit und Leben DGB/VHS Oberhausen; Schwerpunkte der Arbeit sind die politische Bildung vor Ort, Unterstützung von verschiedenen Kooperationspartnern und im Bereich der Grundbildung seit 2016 das Projekt BasisKom (BasisKomPlus, BasisKomNet) bei Arbeit und Leben NRW/Regionalbüro Oberhausen. Die mehr als siebenjährigen Erfahrungen in der arbeitsorientierten Grundbildung zeigen, dass die regionalen Schwerpunkte von Arbeit und Leben gut mit einem Angebot für Menschen mit Grundbildungsbedarf verbunden und das Thema über die Projekte in der Region verankert werden konnte.
Wie sind Sie zur Grundbildung und Alphabetisierung gekommen?
Für Arbeit und Leben und für mich verbindet sich der Grundgedanke einer qualifizierten Bildungsarbeit mit der Zielgruppe der Menschen, die den Weg nicht so einfach in das „normale“ Bildungssystem finden, hervorragend mit dem Auftrag unserer Institution. Aus diesem Grund übernahm ich gerne die Aufgabe in der Region für die arbeitsorientierte Grundbildung strukturell und praktisch zu arbeiten.
Was ist der Schwerpunkt der Arbeit?
Die Sensibilisierung und Verankerung der Grundbildung in verschiedenen politischen Strukturen einer Stadt stand zu Beginn im Vordergrund. Begleitet wurde die Aufgabe von Anfang an mit der praktischen Arbeit von Angeboten in Kursform oder als Einzelcoaching mit Menschen, die in ihrem Arbeitszusammenhang der Unterstützung bedürfen. Hier konnte auf eine gute Verankerung in der Region zurück gegriffen und auch immer neue Kooperationsbetriebe gewonnen werden. In Fachgesprächen wurde das Thema der politischen Grundbildung begleitend eruiert.
Die persönlichen Lebenswege der Menschen, die in unseren Kursen lernen, kommen vielfach sehr nah und die Erfolge, die die Teilnehmenden verspüren, freuen mich persönlich sehr. Auch in den Betrieben scheint ein Umdenken statt zu finden und die Herausforderung, ein passgenaues Angebot zu machen um Lernhindernisse so weit wie möglich zu umgehen, ist nicht mehr nur die persönliche Sache der Lernenden mit Grundbildungsbedarf.
Eine Erweiterung brachte der nächste – jetzt laufende – Projektzeitraum mit BasisKom Net, der den Schwerpunkt auf Modellseminare und weitere Vernetzung in der Region legte. Inhaltliche Schwerpunkte wie z.B. die digitale Grundbildung und die gesundheitliche Grundbildung kamen hinzu.
So konnten auch die Erfahrungen zum Thema: „Stressbewältigung am Arbeitsplatz“ mit Übungen in einem Reader zum Selbstnachmachen in einfacher Sprache und mit unterstützenden Filmaufnahmen zusammen gefasst werden
Zur Zeit wird ein Reader für Multiplikatoren für Kurse in der Logistik-Branche als Anregung für die eigene Durchführung erstellt.
Wo sehen sie Hauptaufgaben im Bereich Grundbildung für die nächsten Jahre?
Es besteht aus meiner Sicht – nicht nur heute angesichts des Fachkräftemangels - die Notwendigkeit eines ständigen Angebots der arbeitsorientierten Grundbildung in jedem Unternehmen. Hier ist die Sensibilisierung und Unterstützung in der Umsetzung einer erfolgreichen Praxis eine der Hauptaufgaben. Für die Teilnehmenden findet ein Grundbildungsangebot oftmals unter schwierigen Rahmenbedingungen statt. Hier sind die starke Eingebundenheit in Familien und Versorgungsverpflichtungen gekoppelt mit Schichtdiensten und unregelmäßigen Arbeitszeiten manchmal lernerfolgsverhindernd.
Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, ein Grundbildungsangebot in der Arbeitszeit durchzuführen!
Es sollte für die notwendige und manchmal kleine Anzahl von Teilnehmenden in arbeitsorientierten Grundbildungskursen oder einem Einzelcoaching eine gute Regelförderung des jeweiligen Angebots geben, die sich an den Bedarfen orientiert.
Es sollte eine gute und qualifizierte Ausbildung und Stärkung (auch finanzielle) des pädagogischen Personals für die Schulungen stattfinden.
Es sollte für die Menschen mit Grundbildungsbedarf eine gute Orientierung über weitere (arbeitsorientierte) Lernangebote und Weiterbildungspfade geben!
